Lehrgänge Longe und Doppellonge Abzeichen Handarbeit

Hier möchte ein Ausbindesystem vorstellen, das ich bei Ausbildern wie Horst Becker und Philippe Karl kennen gelernt habe.

Mir ist nicht klar, woher der Ursprung stammt, ich meine zu erinnern: aus dem Fahrsport.

In der letzten Version lässt dieses Ausbindesystem, das man ohne Probleme für ca. 10 € selbst herstellen kann, viele Varianten des Beeinflussens der Kopf-Hals-Position eines Pferdes, und damit seiner Biomechanik, zu.

Vorneweg: Philippe Karl benutzt dieses System ausschließlich am Kappzaum, da er das Maul des Pferdes nicht durch einen "Gegenstand", sondern nur durch eine lebendige Hand beeinflussen möchte.

Ich habe in gut 12 Jahren im Schulbetrieb, vom Shetty über Kaltblüter bis zum riesigen Hannoveranerwallach sehr gute Erfahrungen mit diesem Ausbindesystem gemacht.

Es lässt die seitliche Biegung in vollem Umfang zu, die Reiter fühlen diesen Ausbinder nicht so deutlich, bekommen damit mehr Verantwortung das Pferd weitgehend eigenständig zu reiten. Gleichzeitig nimmt dieses System Einfluss auf das Pferd, es kann den Kopf nicht nach oben nehmen, im Sinne von "gegen den Zügel". Ein gewisses Maß an Dehnungshaltung ist möglich.

Der größte Vorteil ist, dass der Reiter, ohne im Maul zu ziehen, rucken oder sich total nach vorne zu beugen, das Ausbindesystem selbständig länger oder kürzer schnallen kann, dann kann natürlich auch wahlweise in voller Dehnung geritten werden.

Als positive Folge kann dieses Ausbindesystem so angewendet werden,

dass dem Pferd während der Reiteinheit Pausen am hingegebenen Zügel möglich sind,

dass der Reiter, auch ein Kind oder Anfänger,  je nach Phase der Reiteinheit das Ausbindesystem kürzer oder länger machen kann.

Das können selbst Grundschulkinder einfach und schnell erlernen, so ist möglich, auch junge Reitschüler zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Pferd zu erziehen. Die Erklärung dahinter ist es, dass ein Muskel, eine Muskelkette spätestens alle zehn Minuten Pause braucht, einmal total entspannen muss, dass wir Reiter verantowtungsvoll mit diesem Thema umgehen müssen, um unseren Reitpferden Verkrampfungen oder unnötige Belastung zu ersparen.

Anschaffung:

In jedem Baumarkt kann man die Zutaten kaufen:

- je nach Pferdegröße 4 bis 6 m dünnes Band - es braucht nicht die Zuglast des Pferdegewichts, sondern wichtig ist, dass es gut gleiten kann, also eine glatte Oberfläche hat, der Durchmesser von 3/4 mm reicht vollkommen auch. Dünner sollte es nicht sein, weil es dann an der Brust zu wenig Auflagefläche bietet. Dicker sollte es nicht sein, um das Eigengewicht des Ausbindesystems möglichst gering zu halten. Der Meterpreis liegt bei 30 bis 50 cent.

Bei mehreren Pferden kann man das auch als 20/30 m Paket kaufen - der Anschaffungspreis ist so niedrig, dass man dann in Ruhe die Gesamtlänge ausmessen kann.

- 2 Karabiner, auch nicht so groß und schwer, wir wollen ja nur den Kopf beeinflussen und nicht das ganze Pferd daran anbinden. die Größe des Karabiners ist bei mir nicht größer als mein kleiner Finger.

- und eine Schlaufe mit Ring, die durch den Sattelgurt gezogen wird, manche Sattelgurte haben unten zwischen den Beinen in der Mitte einen Ring, da spart man dies dann. Die Schlaufen gibts bei Krämer, Loesdau oder Pfiff, Kosten ungefähr 5 Euro.

Am Sattel ein SOS-Riemen, Halteriemen, Maria-Hilf-Band - je nachdem, wie es genannt wird. Ich habe kaputte Halfter zerschnitten und deren Ringe aufbewahrt, nun nehme ich einen dieser Ringe und ziehe  diesen in den Riemen. Er ist dann dort frei beweglich und lässt sich verschieben. So einen Ring kann man sonst auch im Baumarkt kaufen oder in einem Laden für Segelzubehör.

Ausmessen und Zusammenbasteln:

Sie brauchen eine Schere und ein Feuerzeug.

Sie befestigen die Schlaufe um den Sattel- oder Longiergurt und schieben diese in die Mitte zwischen die Vorderbeine.

Sie haben am Sattel einen SOS-Riemen mit einem Ring.

Das Pferd steht frei ohne Einfluss auf seine Kopf-Hals-Position. Nun nehmen Sie das Band und messen ab dem Ende den Abstand zur Schlaufe zwischen den Beinen. Fertig, dieses Maß nehmen Sie mal vier. Dann abschneiden und die Ende mit dem Feuerzeug ankokeln, damit das Band nicht reppeln kann.

Nun ziehen Sie ein Ende durch die Schlaufe zwischen den Vorderbeinen, dann beide Enden von innen nach außen durch die Ringe der Trense, oder die äußeren Ringe des Kappzaums oder durch seitlichen Ringe eines Halfters, je nachdem wie Sie das System nutzen wollen.

Dann führen Sie die Ende nach oben zum SOS-Riemen, ggf. können sie das System nun noch verkürzen. Die Länge sollte dem hingegebenen Zügel entsprechen, NICHT länger. Aber die Nase soll dabei frei vorn getragen werden können. Nun knoten Sie am Ende eine Schlaufe, durch die Sie den Karabiner ziehen.

FERTIG.!!!!     Zeitaufwand - 5 bis 8 Minuten

Indem der Reiter nun oben am Widerist das Band mit geknoteten Schlaufen versehen kann, kann er selbständig die Länge beinflussen. Dabei ist es egal, ob an einer Seite oder an beiden Seiten Schlaufen geknotet werden.

Das gesamte Band läuft frei, daher zieht es so, dass der Pferdekopf seitlich nicht beeinflusst wird. Das hat beim Reiten (lernen) den großen Vorteil, dass der Reiter von Anfang an lernt, seine äußere Hilfen korrekt anzuwenden.