Lehrgänge Longe und Doppellonge Abzeichen Handarbeit

Was muss ich wissen, um sinnbringend zu longieren?

Wie kann ich das Longieren erlernen?

Wenn Pferde und Longenführer Anfänger sind, wird das Erlernen des Longieren sicher sehr schwierig werden. Wenn Sie mit dem Longieren beginnen, ist es hilfreich, zunächst efahrene und geduldige Pferde zu longieren, die auch Probleme im Longe-Aufwickeln oder Unsicherheiten in der Hilfengebung mitmachen.

Die Körpersprache des Longenführers ist ausschlaggebend für den Erfolg des Longierens. Treibende und verhaltende Positionen des Körpers sowie eindeutige Signale der Peitsche und das feine, wohl abgestimmte Zusammenspiel  mit den Longenhilfen müssen erlernt werden.

Ich glaube, wer schwierige, fehlerzogene Pferde an der Longe korrigieren oder junge Pferde an das Longieren heranführen möchte, benötigt die Unterstützung bzw. Anweisung eines erfahrenden Longierers.

Daher biete ich seit einigen Jahren Longenkurse mit verschienen Schwerpunkten an, zum einen mit dem Ziel, das Longierabzeichen zu erwerben, zum anderen Feinheiten und die Vielfalt der Arbeit an der Longe zu erlernen.

Ausbindesystem beim Longieren nach „alten“ Ausbildern

Wir tragen hohe Verantwortung für den Körper und die Seele unserer Reitpferde. Besonders das Maul, der Rücken und die Beine müssen geschult, gymnastiziert und beweglich gehalten werden, um den Reitsport (das Voltigieren und auch den Fahrsport) für Pferd und Reiter angenehm und harmonisch zu gestalten.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung ist mit der Einführung des Deutschen Longierabzeichens einigen Ausbildern in der Klassischen Dressur gefolgt und sieht das Longieren als gleichwertige Arbeit mit dem Pferde an.

Darüber hinaus ist Ausbildern, Tierärzten und Physiotherapeuten, Chiropraktikern für Pferde die Möglichkeiten der gezielten Gymnastizierung, Lockerung und des Muskelaufbaus beim Longieren bewusst.

Ausbilder wie Philippe Karl und Anja Beran longieren bevorzugt ohne Hilfszügel, das Pferd kann sich frei ausbalancieren. Nur bei Exterieurproblemen oder in der Schulung der Reitschüler muss mit Hilfszügeln bzw. mit Doppellonge, aber grundsätzlich mit Kappzaum, longiert werden.

Bei Muskelschwächen oder -problemen wurde eine sehr leichtlaufende Variante des Ausbindens wieder entdeckt. Nach der Philiosophie Philippe Karls ist es ein leichtes, rundes Tauwerk (z. B. aus dem Segel- oder Bergsteigezubehör) in einem Stück. Es kann wahlweise zwischen den Beinen beginnen und wie ein herkömmlicher Dreieckszügel geschnallt werden. Das Besondere dabei ist, dass es in einem Stück durch die Trensenringe zu den Sattelgurten oder bei gut ausgebildetem Pferd mit guter Selbsthaltung zum Widerist. Es kann aber auch am Widerrist beginnen und wie eine Laufferzügel durch die Trensenringe rechts und links zu dem Sattelgurt laufen, z. B. bei Pferde, die sich leicht auf die Hand legen und zu tief gehen.

In der speziellen Ausbildung an der Longe, z. B. in der Rekonvalesenz kann das Bandsystem sehr gewinnbringend durch die Ringe des Kopfstückes eines Chambons und erst dann durch die Trensenringe laufen. Das Band läuft dann seitlich in einem Viereck. Wenn gleichzeitig ein guter Longiergurt genutzt wird, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten des Verschnallens. Damit kann man Pferden mit Anlehnungsproblemen oder Muskelschwächen ganz gezielt helfen. Die Einwirkung ist jedoch sehr sanft, da ein Teil der Einwirkung auf das Genick wirkt und damit das Maul geschont wird.

Bei diesem System gibt es viele Möglichkeiten gezielter Einwirkung:

Soll ein Pferd sehr tief, jedoch immer mit offenem Genick, gearbeitet werden, hakt man das Mittelstück zwischen den Vorderbeinen am Gurt ein, führt es dann beidseitig von innen nach außen durch die Trensenringe, dann durch die Ringe des Chambonkopfstückes und dann beidseitig zum Longiergurt. Je nach Höhe des Einhakens wird die Tiefe und Intensität der Dehnung forciert. Es bleibt zu betonen, dass dieses System nichts mit in die Tiefe ziehen zu tun hat, da wiederum das Maul deutlich entlastet ist, da die Paraden recht deutlich auf das Genick einwirken. Selbst problematische Pferde reagieren recht schnell auf dieses System und geben dem nach.

In der zweiten Variante wird das Mittelstück auf Höhe des Widerrists eingehakt und läuft erst durch die Ringe des Chambonkopfstückes, dann durch die Trensenringe und danach wahlweise zu einer Gurtschlaufe zwischen den Vorderbeinen oder wiederum beidseitig zum Longiergurt. Auch hierbei ist die Höhe variabel, so dass wirklich individuell auf die Bedürfnisse oder Probleme des jeweiligen Pferdes eingegangen werden kann.

Dadurch, dass das Tauwerk rund ist, ist es sehr flexibel. Aber der Longenführer muss aufpassen, das Pferd nicht über die äußere Schulter ausweicht, was bei diesem System seltener vorkommt als beim System ohne Genickeinwirkung.

Dieses System, als Viereck geschnallt, ist ausschließlich zum Longieren geeignet.

Das System als flexibler Dreieckszügel, kann sehr gut zum Reiten genutzt werden, da es indivuell in der Länge verändert werden kann und so Schrittweise überflüssig wird.

Das Pferdemaul ist das empfindlichste und sensibles Körperteil, mit dem wir als Reiter oder auch beim Longieren Verbindung aufnehmen. Das bedeutet die Verantwortung ist hier besonders hoch. Die Hilfen durch den Sitz, die Beine und die Hände, besonders in ihrer Gesamtheit, lehrt Philippe Karl mit Betonung auf Leichtigkeit und Eindeutigkeit. Ein entspanntes, kauendes Maul des Pferdes ist Voraussetzung zur Arbeit, also niemals eine auch nur ansatzweise rückwärtswirkende Hand,oder an der Longe ziehende Hand (daher die Empfehlung, ausschließlich mit Kappzaum zu longieren), die diese Entspannung verhindert.

Philippe Karl longiert bevorzugt ohne Hilfszügel, wie auch Anja Beran und viel Iberische Ausbilder. Wenn Hilfszügel bzw. die Doppellonge genutzt werden, wird ein Kappzaum benutzt, um das Maul zu schonen.

Es wird auf gute Vorwärtsbewegung und Biegung in korrekter Form geachtet. Bei den üblichen Dreieckszügeln oder auch Lauffer- oder Wiener Zügeln, besonders dann wenn sie als tiefes Dreieck geschnallt sind, wird das Pferd durch die deutliche Einwirkung auf das Maul in eine gewisse Haltung gezwungen, der Kopf natürlich damit auch, meist ist ein verkantetes oder festgehaltenes Genick die unliebsame Folge.

Bei den einfachen Lederausbindern, die in der Klassischen, barocken oder iberischen Reitweise nicht benutzt werden, ist die Einwirkung noch rigoroser. Beim Thema Biegung ist die Schwierigkeit, dass der innere Ausbinder Biegung durch Druck auf die innere Lade erzwingt und dass der äußere Ausbinder bei der Wendung des Kopfes nach innen ansteht, ebenfalls klar nicht hinten unten einwirkt, also Lade und Zunge des Pferdes einquetscht. Eine weiche Stellung ohne Druck wird verhindert. Als Anmerkung: das heißt nicht, dass der äußere Zügel beim gebogenen Pferd durchhängen soll, es bleibt der Zügel in leichter und konstanter Verbindung, er lässt jedoch die Biegung zu, das bedeutet - besonders bei langen Hälsen - eine gewisse Nachgiebigkeit.

Ergänzend noch eine Anmerkung: Es wird gesagt, ja, bei den Lederausbindern ist es gut, dass das Pferd sich vom Ausbinder abstößt. Kritisch frage ich, welche Muskeln nutzt das Pferd, um - wenn auch leicht - hinter dem Ausbinder zu bleiben, um dem Druck zu entgehen? Wie soll ein junges Pferd das machen, zumal, wenn seine Balance eigentlich noch einen freien Hals benötigt, damit es sich, wie in Freiheit auf kleinem Kreisbogen nach außen biegt und nicht nach innen?

Es ist wichtig, dass der äußere „Zügel“ mitgeht und der Halslänge und dem Ausbildungsstand entsprechend bei Stellung und Biegung nachgibt.

So kann man, wenn man die Seilvariante nicht besitzt, als Alternative auch Lederdreieckszügel flexibel einschnallen. Man nimmt das Ende der rechten Seite und schnallt es auf der linken Seite fest und umgekehrt. Diese Variante ist nicht ganz so frei beweglich, bei Pferden mit weichem Maul ist das schon zu viel Druck auf Zunge und Kinnladen.

Da ich mir Hilfsmittel dieser Art selbst nach Maß herstelle, habe ich nun eine eigene sehr leicht laufende Variante gewählt. Ich messe die Länge des Pferdehalses mit hingebendem Zügel und lasse ein leichtes, rundes Tauwerk in einem Stück über eine Schnalle aus dem Fahrsport laufen, das Knoten in beliebiger Länge können sogar Kinder auch vom Sattel aus. Es ist Zentimetergenau für individuelle Möglichkeiten schnell und leicht zu verknoten und gibt sehr leicht nach. An den Enden hab ich zwei kleine Karabinerhaken befestigt, die dann in eine Gurtschlaufe oder bei anderen Varianten im Longiergurt eingehakt werden.

Dadurch dass das Tauwerk rund ist, ist es sehr flexibel. Aber der Reiter/Longenführer muss aufpassen, manche im Hals nachgiebige Pferde überstellen sich an der Longe so, dass sie über die äußere Schulter ausweichen. Diese Pferde müssen an der Doppellonge gearbeitet werden, damit das Gleichgewicht des Pferdes verbessert wird, der äußere Zügel im Balance zum inneren bleibt und trotzdem Biegung des Halses möglich ist.

Wir haben diverse Möglichkeiten des Verschnallens. Wenn ein Ring z. B. am SOS-Riemen am Widerrist verschnallt ist, können die beiden Enden jeweils nach dem Durchlaufen der Trensenringe seitlich (mehr Aufrichtung) oder zwischen den Vorderbeinen (flexibel – sehr gut zum Reiten verschnallt werden. Wird der mittlere Ring mit einer kleinen Schnalle zwischen den Vorderbeinen verschnallt, können die Enden nach Durchlaufen der Trensenringe seitlich geschnallt werden, was einem tiefen Dreieck und damit einer deutlichen Vorwärts - Abwärts Dehnung entspricht. Das Besondere bei all diesen Varianten bleibt die Beweglichkeit des Halses in beiden Richtungen.

Für Reitanfänger kann ich diese Schnallart wärmstens empfehlen, weil man sie vielseitig variieren kann. Wir haben einen Schulstall mit rund 16 Ponys und Großpferden, seit Januar 1999 haben wir auf diese Weise mit großem Erfolg ausgebunden, sowohl für die Reiter als auch für die Pferde.

Dieses Systems kostet ca. 15 Euro, es ist ein 6 bis 8 Meter langes dünnes Seil und zwei Karabinerhaken. Für die Vereckige Verschnallung ist ein Kopfstück eines Chambons nötig

(Kosten: ca. 20 Euro).